Deutsche Kriegsschulden: nach 70 Jahren aktuell wie am ersten Tag! Bericht zu einer Veranstaltung in Frankfurt.

Zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Manolis Glezos, MdEP  (SYRIZA, ),  Gabriele Heinecke, Rechtsanwältin und  Mitglied des AK Distomo, und Elisabeth Abendroth hatte das   Griechenland-Solidaritätskomitee Frankfurt/Rhein Main am Freitag, den 24. April, ins Gewerkschaftshaus Frankfurt eingeladen.

Weit mehr als 300 Menschen kamen in den großen Saal im DGB-Haus – darunter Gewerkschafter, Antifaschisten und Mitglieder aus der Linken, der SPD und der Grünen – um mit Manolis Glezos, einem ehemaligen Widerstandskämpfer und derzeitigem MdEP über die ausstehenden Reparationsleistungen für die jahrelange Besatzungszeit und den Terror der deutschen Wehrmacht an Griechenland zu diskutieren.
Manolis Glezos, heute 93 Jahre alt, ist in ganz Europa bekannt als Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg. Er holte 1941 die von der deutschen Wehrmacht gehisste Hakenkreuzfahne von der Akropolis.

Manolis Glezos schilderte eindrücklich, wie dramatisch Griechenland unter der faschistischen Besatzung Deutschlands  gelitten hat, auch und gerade im Vergleich mit der Sowjetunion, Jugoslawien und Serbien. Dies belegte er mit der Bevölkerungsentwicklung. Die griechische Bevölkerung war am Ende des Zweiten Weltkrieges geringer als zu Beginn des Krieges. Das gab es nicht einmal in der Sowjetunion.
Am 10. Juni 1944 verübte das SS-Panzer-Grenadier-Regiment 7 eines der grausamsten Massaker an der Zivilbevölkerung während des Zweiten Weltkrieges. Im griechischen Ort Distomo wurden 218 Dorfbewohner brutal ermordet, Männer, Frauen und Kinder. Nur eine Handvoll der dort lebenden Menschen überlebte dieses Verbrechen. Distomo stehe nur stellvertretend für viele Orte und Landschaften die zerstört, ausgeplündert und deren Bewohner vertrieben oder ermordet wurden. Deutsche Politiker verweigerten bis heute jede Entschädigung für die von der deutschen Wehrmacht verübten Massaker, Plünderungen und Verwüstungen.

Den Rechtsweg – so empörte sich die Hamburger Anwältin Gabriele Heinecke, die unter anderem am Entschädigungsverfahren gegen die Bundesrepublik an der Vertretung von Überlebenden des SS-Massakers von 1944 in Distomo (Griechenland) beteiligt war – hielte die Bundesregierung für beendet. Sie schilderte die juristischen Winkelzüge und das Aussitzen mit dem die Bundesregierung einer Entschädigung und Wiedergutmachung an den verübten Morden an der griechischen Bevölkerung aus dem Wege ginge und folgerte: »Es gibt nur eine Lösung, Deutschland zu zwingen – und das sind wir alle«. Ein fünfminütiger Warnstreik in den Betrieben könnte dafür ein Beispiel sein.

Manolis Glezos rief dazu auf, Komitees zu bilden und miteinander zu vernetzen, um die Bundesrepublik weiter unter Druck zu setzen, um die von deutschen Faschisten abgepressten Zwangskredite und die ausstehenden Reparationszahlungen an Griechenland zu zahlen. Die solle endlich ihre Schulden begleichen. Die interalliierte Kommission hatte 1946 in Paris entschieden, dass Deutschland Griechenland sieben bis 14, 5 Milliarden schulde; heute entspreche die Summe mindestens 108 Milliarden ohne Zinsen. Der für die »Kosten« der Besatzungstruppen abgepresste Zwangskredit belaufe sich heute auf mindestens 54 Milliarden Euro ebenfalls ohne Zinsen. Außerdem müssten die protokollierten Diebstähle der griechischen archäologischen Schätze geahndet und die Gegenstände wieder an Griechenland zurückgegeben werden.

Elisabeth Abendroth berichtete am Beispiel ihres Vaters Wolfgang Abendroth über die Zusammenarbeit des griechischen und deutschen Widerstands im Zweiten Weltkrieg und rief dazu auf, an diese Tradition des völkerübergreifenden Widerstands anzuknüpfen und gemeinsam die neoliberale Politik der europäischen Regierungen und der »Institutionen« und den durch sie verursachten Demokratieabbau zu bekämpfen.

Er sei froh, so Manolis Glezos abschließend, ins Frankfurter Gewerkschaftshaus gekommen zu sein. Er habe dort ein anderes Bild der Deutschen kennen gelernt.

Außer der Jungen Welt vom 27. April berichtete bisher keine der eingeladenen Presse von unserer Veranstaltung. Dies sollte für uns ein zusätzlicher Impuls sein, unsere Arbeit unverzüglich weiterzuführen, um mit guten Argumenten mehr Öffentlichkeit herzustellen. Alle sind aufgefordert mitzumachen im Griechenland-Solidaritätskomitee Frankfurt/Rhein Main.
Mitmachen? Siehe hier: https://griechenlandsolidaritaetffm.wordpress.com/mitmachen/

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